Generation Z und Fridays For Future: Politiker please panic!

25. März 2019

Sind es – wie jüngst in der Presse vermutet – „nur“ Fruchtzwerge, die den Aufstand wagen? Oder notorische und asoziale Schulschwänzer? Nein: Fridays For Future ist eine dringend erforderliche zivilgesellschaftliche Jugendbewegung, in der sich die Generation Z erstaunlich lautstark und professionell einbringt. Politiker reagieren in Seelenruhe mit naivem Dilettantismus. Damit machen sie sich noch mehr zum Gegner der Generation Z und unseres Planeten.

Ein Politiker, der nicht zuhören möchte

Kurz vor der letzten Bundestagswahl interviewe ich den späteren Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Mein Gespräch dreht sich um die Generation Z, also um die Jugendlichen geboren ab 1995 und fallweise als „Generation Zukunft“ oder „Generation Zombie“ bezeichnet. In einer eher befremdenden und auf YouTube zu bestaunenden Naivität erklärt der Politiker fest auf dem Boden seiner Realität stehend, heutige Jugendlichen seien im Prinzip wie alle anderen Jugendlichen zuvor und haben keinen Anspruch darauf, im Wahlprogramm der CDU spezifisch berücksichtigt zu werden.

Zur Belohnung für seine steile These schenke ich Peter Altmaier das Buch „Die Generation Z: Wie sie tickt und warum sie uns alle ansteckt“. Er versenkt es vor meinen Augen in einem großen Schrank für offenbar nie zu lesende Bücher.

Vielleicht denkt Peter Altmaier Anfang 2019 an genau dieses Buch über die Generation Z, als er – ebenfalls auf YouTube zu bestaunen – plötzlich in Berlin bei einem der ersten Fridays For Future exakt dieser Generation Z gegenübersteht: hilflos, überrascht, sprachlos, ohnmächtig.

Die Generation Z taucht auf

Die Jugendlichen haben mit Fridays For Future eine klare Botschaft: Sie sind die Generation, bei der die Klimakatastrophe gnadenlos zuschlagen wird und die Generation, die – wenn jetzt nicht sofort etwas passiert – keine Chance mehr auf Umkehr und ein menschengerechtes Überleben hat. Also: Generation Z ist nicht nur der letzte Buchstabe im Alphabet, sondern die Generation, die als letzte Generation unsere Welt noch als lebensfähig erlebt hat und gleichzeitig als erste Generation aufgrund unseres kompletten Politikversagens den völligen Zusammenbruch zu spüren bekommen wird. Sie sehen, wie unsere Politikergeneration nicht nur nichts gegen den Klimawandel unternimmt, um kurzfristig Arbeitsplätze zu sichern, sondern letztlich eine ganze Generation kategorisch ignoriert.

Am 15. März tauchen bei Fridays For Future noch mehr Jugendliche auf: alleine rund 20.000 Menschen in Berlin-Mitte und damit mehr Personen als je für eine Pegida-Demonstration auf die Straße gingen. Nicht etwa, dass ich Fridays For Future mit Pediga vergleichen möchte: Allerdings zeigen beide Bewegungen, dass unsere Politiker erschreckende Schwierigkeiten haben, Strömungen in „ihrem“ Volk rechtzeitig auch nur ansatzweise zu verstehen. Sie schweben in ihrer Filterblase, aus der sie offenbar nicht herauskommen und auch nicht klar herausschauen können.

Ganz anders Fridays For Future. Diese Bewegung ist wie Occupy global, wird von Wissenschaftlern unterstützt (beispielsweise Scientists for Future), hat die Sympathie zumindest einiger Medien und öffnet sich gezielt auch anderen Generationen in ihrem Streben nach Langfristigkeit.

Politiker denken kurzfristig in Wahlterminen und wollen vielleicht deshalb überhaupt nicht aus ihrer Filterblase herausschauen: Jugendliche stellen heute kein relevantes Wählerpotenzial dar und sind zwangsläufig nicht in solchen Parteien repräsentiert, die – wie die CDU und die SPD – einen Altersdurchschnitt von rund 60 Jahren haben. Und die Jugendlichen aus der Generation Z wählen auch weder Parteivorsitzende und Kanzlerkandidaten, scheinen also auch in dieser Hinsicht irrelevant.

Was machen aber unsere Politiker angesichts dieser vielen hunderttausend Jugendlichen der Generation Z, die bei Fridays For Future weltweit auf die Straße gehen? Die traurige Antwort: Die Politiker blamieren sich grenzenlos. Denn ihnen fehlt nicht nur Faktenwissen, es fehlt auch jegliches Grundverständnis für die Generation Z.

Die Generation Z ist politisch reifer als Politiker

Auf einer der ersten Veranstaltungen zum Kohleausstieg will Peter Altmaier auf die Bühne – was ihm aber die Generation Z nicht erlaubt. Sie macht ihm klar, wer bei dieser Bewegung das Hausrecht hat. Statt von oben herab zu sprechen, wird er minutenlang gnadenlos ausgebuht und gezwungen, fassungslos wie ein begossener Pudel davon zu schleichen.

Es kommt später doch noch zu einem Gespräch, wofür er zumindest eingeschränktes Lob erntet, weil er – so der Kommentar der jugendlichen Gesprächsteilnehmer – Ihnen das Gefühl vermittelt habe, bei diesem konstruktiven Gespräch die Jugendlichen ernst zu nehmen. Auch wenn Peter Altmaier es vielleicht nicht gemerkt hat. Dieser Ausspruch ist die Höchststrafe: Denn plötzlich ist er kommunikationstechnisch nicht mehr im Eltern-Ich, nicht einmal im Erwachsenen-Ich. Die jugendlichen Umweltaktivisten von Fridays For Future setzen ihn ganz elegant in das trotzige Kind-Ich. An diesem Zurechtstutzen eines vorher noch mächtigen Politikers werden Kommunikationstheoretiker in deutschen Hörsälen noch lange ihren Spaß haben.

Politikerversagen kennen auch andere Länder. So erlebte man in den U.S.A. in einer Diskussion zwischen der langjährigen kalifornischen Senatorin Dianne Feinstein und Vertretern der Generation Z, wie die Senatorin fast lehrerhaft den Jugendlichen die Welt erklärte und darauf hinwies, dass sie teilweise noch zu jung zum Wählen seien und ihre Wünsche solange irrelevant bleiben, solange sie sich nicht selber zum Senator wählen. Für ihren Auftritt („truth to todlers“) bekam die demokratische Senatorin sogar Applaus vom republikanischen Fernsehsender FOX.

Die österreichische Umweltministerin Elisabeth Köstinger freut sich in einem Video auf Facebook darüber, dass die Jugendlichen sie in ihrem Kampf für mehr Klimaschutz unterstützen. Daraufhin wird die Politikerin per Twitter sehr bestimmt von der Generation Z zurechtgewiesen: „ … wir unterstützen Sie nicht in Ihrem ‚Kampf‘. Wir kämpfen ganz klar GEGEN Ihre Untätigkeit.“

Touché!

Die politische Reife der Jugendlichen zeigt sich auch daran, dass der Streik wegen der Öffentlichkeitswirkung auf Freitag gelegt wurde, aber zur Hauptdemonstration am 15.3. offenbar einige Veranstaltungen auf den Nachmittag in die schulfreie Zeit verschoben wurden.

Das wäre aber gar nicht nötig gewesen. Vielmehr könnten die streikenden Schüler und Studenten die Politiker mal schüchtern fragen, wie lange die 709 hochbezahlten Abgeordneten üblicherweise am Freitag im Plenum des Bundestags anzutreffen sind. Natürlich gibt es auch manchmal etwas anderes als Plenarsitzungen. Nur das ist kein Argument: Denn es gibt auch Bildung jenseits der Schule – doch die zählen unsere Politiker bei der Bewertung von Fridays For Future nicht als Bildung. Es bleibt der Gesetzesverstoß durch die Jugendlichen. Trotzdem: Wer kontrolliert die Politiker, die hier Strafen für die Jugendlichen fordern? Im Regelfall sind deutsche Klassenzimmer am Freitag voller als der Plenarsaal. Und wenn Klassenzimmer leer sind, dann gibt es einen viel drastischeren Grund als Fridays For Future: nämlich Lehrermangel. Darüber wettern unsere Politiker nicht, denn wegen ihrer verfehlten Bildungs- und Budgetpolitik sind sie schließlich für den Lehrermangel verantwortlich.

Übrigens zeigt Fridays for Future in Österreich einen sehr schönen und politisch klugen Weg auf, wie man mit dem Fehlbleiben umgehen kann: Dort gibt es ein juristisch gut formuliertes Schreiben („Ansuchen um Erlaubnis zum Fernbleiben“) – aber dieses Schreiben hätte ja Annegret Kramp-Karrenbauer bekanntlich nicht unterschrieben.

Warum die Demonstration der Generation Z nötig ist

Während die Jugendlichen demonstrieren, zeigen die Politiker in dieser Woche deutlich, wie sie sich den Kampf gegen die Klimaerwärmung vorstellen und weshalb die Umwelt dringend Fridays For Future braucht:

Die Bundesregierung startet auf europäischer Ebene eine Initiative, um die Grenzwerte für Schadstoffbelastung in Europa heraufzusetzen. Für die Generation Z stellt sich allenfalls die Frage, ob die Politiker rauf und runter verwechselt haben: Also Klimaziele erhöhen? Deshalb Grenzwert erhöhen? Klingt plausibel – ist es nur nicht. Es ist populistischer Quatsch und ein Kniefall vor den Dieselbetrügern, die endlich und sofort Umtauschen oder Nachrüsten müssen.

Ein weiteres Armutszeugnis für die Politik und damit Argument für die Bewegung Fridays For Future: Während die Generation Z für „Handeln jetzt“ auf die Straße geht, installiert unsere Bundesregierung ein „Klimakabinett“– also eine neue bürokratische Organisation, die darüber nachdenkt, wer denn irgendwann über das Klima nachdenken soll. Peinlicher kann es wohl nicht werden.

Doch, es wird noch peinlicher. Denn ganz sicher ist niemandem aus der Generation Z die dritte verquere Intervention zu vermitteln, die an der Denkstruktur von Politikern zweifeln lässt. Es soll ein Toleranzspielraum eingebaut werden, nachdem es als zumutbar gilt, Grenzwerte in Städten in gewissem Umfang zu überschreiten. Diese Logik folgt der Tradition des Umgangs unserer Politiker mit der Schummelsoftware bei Dieselmotoren: Eigentlich ist das wie Abschaltvorrichtungen Betrug, für unsere Politiker aber im Toleranzspielraum. Kaum ein Vertreter der Generation Z versteht, warum Politiker beim massenhaften Betrug durch die deutsche Autoindustrie und bei horrenden Millionengehältern für VW-Manager alle Augen zudrücken, aber bei der Ausübung ihres Streikrechtes durch Fridays For Future plötzlich Gesetze entdecken.

Annegret Kramp-Karrenbauer und die Bürokratiekeule

Angela Merkel versucht in ihrer Art, sich positiv zu Fridays For Future zu äußern. Irgendwie wirkt sie dabei sympathisch. Das schafft ihre von ihr eingesetzte Nachfolgerin nicht so ganz: Annegret Kramp-Karrenbauer verlegt die Diskussion um Fridays For Future – und jetzt wird es für die Generation Z einfach nur noch grotesk – auf die formale Ebene des Entschuldigungsschreibens, das sie für ihre Kinder nicht unterschreiben würde.

Eine solche politische Wendung ist so aberwitzig realitätsfern, wie wenn ein Asteroid auf unsere Erde jagen würde und Annegret Kramp-Karrenbauer als Bundeskanzlerin daraufhin ihre Untertanen mit dem Hinweis auf die fehlende Überfluggenehmigung zu beruhigen versucht. Danach betont sie bei Anne Will, Sandra Maischberger und Maybrit Illner in gleichlautend abgesprochenen Interviews bürokratisch-nüchtern, dass sie – unabhängig von ihrer persönlichen Einstellung als Saarländerin – selbstverständlich dem Asteroiden keine Landeerlaubnis geben könne, weil es dafür ganz einfach keine gesetzliche Grundlage gibt.

Diese Einstellung von Annegret Kramp-Karrenbauer mit dem trivialisierenden Abschieben auf die Formalie einer „Entschuldigung“ belegt in trauriger Eindringlichkeit das völlige Nicht-Verstehen der Generation Z, die allenfalls den Klassenbucheintrag (falls es so etwas überhaupt noch gibt) mit dem Handy abfotografiert und stolz in der WhatsApp Gruppe teilt. Und ihre Warnung, mit „Fehltagen und Strafarbeiten“ klarkommen zu müssen, wird gewisse Wählergruppen ansprechen, dürfte aber von der Generation Z allenfalls als „typisch Politiker“ abgetan werden – vor allem, wenn man bedenkt, dass diese Generation in ihrer Schulzeit nicht nur mit massivem Unterrichtsausfall leben muss, sondern auch massenhaft mit Aushilfslehrern ohne Lehrerbildung.

Sicherlich mag für Politiker in ihren Parteizentralen die eigene Basis wichtiger sein als Klimaschutz und die Generation Z. Aber was passiert denn, wenn es sich die Generation Z irgendwann nicht mehr wird bieten lassen, dass Babyboomer(innen) über ihre Köpfe hinweg über ihre Gegenwart und – noch wichtiger – über ihre Zukunft entscheiden?

Generation Z als globale politische Bewegung

Der 15. März hat etwas gezeigt: Fridays For Future ist zumindest aktuell eine weltweite Bewegung, wobei lediglich die USA nicht so richtig mitgezogen hat – was aber ein anderes Thema ist. Die Generation Z hat damit – trotz regionaler Differenzierung – ein globales Gesicht und eine globale Vernetzung. Und auch wenn sich dieser 15. März vielleicht nicht wiederholt oder übertroffen wird: Die Generation Z hat gezeigt, dass sie existiert.

Inhalt ja, Institution nein

Aus der Forschung zur Generation Z, die ja bekanntlich unsere Politiker nicht zur Kenntnis nehmen, wissen wir, dass die Generation Z klar zwischen politischen Inhalten (wie Umwelt und Klima) und politischen Institutionen (Parteien, Politikern, Politikmagazinen) unterscheidet. Inhalte sind Ihnen wichtig und mit ihnen beschäftigt sich die Genreration Z. Institutionen sind für sie irrelevant, weil sie sich weder mit der Generation Z beschäftigen, noch mit ihren Themen.

So makaber es ist: Diese Trennung zwischen Inhalten und Institutionen wird durch die Art und Weise, in der unsere Politiker sich mit Fridays For Future (nicht) auseinandersetzen, noch verstärkt: Denn Politiker bestätigen alle Vorurteile gegenüber ihrer Berufsgruppe, die sich in den Köpfen der jungen Generation Z festgesetzt haben.

Natürlich ist es nachvollziehbar, wenn sich Politiker mit ihrem kurzfristigen Fokus auf Wiederwahl mehr mit den schnell zu befriedigenden Interessen der älteren Generationen (Wählerstimmen) und der Wirtschaft auseinandersetzen. Vermutlich ist es auch menschlich irgendwie nachvollziehbar. Es bleibt aber fatal.

Umweltverschmutzung durch Politiker

Genauso fatal ist es aber, wenn die Generation Z sich nicht mit Politikern auseinandersetzt. Sie sollte in die Offensive gehen. Warum nicht bei denjenigen über Konsequenzen nachdenken, die für die Klimakatastrophe durch 40 Jahre „Kaum-Handeln“ verantwortlich sind? Warum nicht die Zahl der Politiker im Bundestag halbieren? Die Zahl der Stellen auf ein Drittel reduzieren? Den Etat auf ein Viertel kürzen.

Gleichzeitig kann es nicht angehen, dass man die Generation Z zu Rundfunkgebühren zwingt, die dann dafür genutzt werden, fast jeden Abend die immer gleichen Politiker in Talkshows zu sehen. Hier könnte man – wie es schon Neil Postman gefordert hat – durch eine Medienökologie die mediale Umweltverschmutzung bekämpfen. Übrigens macht die Generation Z das schon: Sie verzichtet teilweise nicht nur auf Plastiktüten, sondern auch auf die durchgeskripteten Talkshows.

Politiker fordern von uns immer wieder, dass sich Leistung lohnen und Leistungsverweigerung bestraft werden muss. Dürfte da die Generation Z nicht fragen: Warum gilt das nicht für Politiker? Wir brauchen Zielvereinbarungen unter anderem zur Erreichung von Klimazielen. Mindestens die Hälfte der rund 14.000 Euro, die jeder Politiker (teilweise sogar steuerfrei) erhält, könnte daran gekoppelt werden. Das hilft der Umwelt und das steigert die Motivation unserer Volksvertreter.

Lernen von Lindner

Christian Lindner, Freund markiger Sprüche auf Twitter, hat rasch die Antwort auf Fridays For Futuregefunden und sich damit international (zum Glück nur bei diesem Thema) zum Repräsentanten der deutschen Politik gemacht. Denn folgende Aussage ist auch im Ausland gut bekannt: Die Jugendlichen sollen in die Schule zurück, Klima ist zu kompliziert und damit solle man es den Profis überlassen.

Nun soll Christian Lindner nicht aufgewertet werden. Ein Politiker, der lieber nicht regiert, weil er den nicht-existenten Zusammenhang zwischen seinen nicht-artikulierten Werten und seinen nicht-durchdachten Vorschlägen nicht erkennt, und der statt dessen zum professionellen Gast in Talkshows und Redaktionsräumen mutiert, hat sich sowieso dauerhaft disqualifiziert.

Aber einen Gedanken von ihm könnte die Generation Z für Fridays For Future als Forderung übernehmen, nämlich seine Forderung, man soll die Klimawende den Profis überlassen. Natürlich ist sein Zusatz, dass deswegen die Jugendlichen zurück in die Schule und den Streik abblasen sollen, unlogisch und zeigt allenfalls Arroganz der politischen Macht. Aber es stellt sich trotzdem die Frage, wer denn die „Profis“ sind.

Erstaunlich selbstkritisch sind dies laut Christian Lindner offenbar nicht die Politiker. Katja Suding bekräftigt das in der Talkshow bei Markus Lanz mit konsequenter Persistenz – die schon fast in Impertinenz abgleitet – , als sie wie ein kleines, dummes Schulmädchen trotzig auf den Boden stampfend von der souveränen und authentischen Julia Oepen als Vertreterin der Generation Z vorgeführt wurde. Katja Suding erklärte doch allen Ernstes stellvertretend für Christian Lindner, dass die Politiker lediglich die Klimaziele vorgeben sollen, alles andere – und damit vor allem die Umsetzung – den Technikern und dem freien Markt überlassen sollen, die dann aber im Zweifelsfall (siehe Volkswagen) natürlich nicht zur Verantwortung gezogen werden. Man muss Katja Suding zu Gute halten, dass sie mit dieser Frage überrascht und mit diesem Thema überfordert war. Ihr ist aber dafür zu danken, dass sie ungewollt die Grundeinstellung unserer Politiker zu ihrer eigenen Rolle aufgedeckt hat.

Und dazu kann die Generation Z sich nur fragen: Brauchen wir dafür Politiker? Oder müssen wir nicht das ganze politische System in Frage stellen? Politiker als selbstverliebte und selbstherrliche Amateure mit Großartigkeitswahn? Und es ist nicht nur die FDP, die solche Positionen der politischen Arbeitsverweigerung vertritt. Julia Oepen hat durch ehrliche, konzentrierte Argumentation Katja Suding, die FDP und letztlich die gesamte Politiker-Kaste in Berlin demaskiert. Jetzt ist klar, dass die Generation Z definitiv nicht zur Unterstützung der Politiker aufruft, sondern gegen Untätigkeit und Unfähigkeit der Politiker demonstriert.

Hier könnte die Generation Z tatsächlich die Politik aushebeln, denn der freie Markt wird sich auf die Generation Z ausrichten, allein schon aus Eigeninteresse.

Politiker zu Profis machen

Wenn man die Jugendlichen souverän über die Klimakatastrophen reden hört, dann sehen viele Politiker im wahrsten Sinne „alt“ aus. Da aber laut Christian Lindner Politiker in den wichtigen Themen keine Profis sind und allenfalls auf Wissenschaftler hören, wenn sich diese verrechnen und Schnüffeln am Auspuffrohr dicker Diesel mit Schummelsoftware zum Luftkurort erklären, gehören diese Politiker auf die Schulbank. Wir brauchen ein Qualifizierungsprogramm für Politiker. Vorher gibt’s kein Geld und keinen Zugang zum Bundestag.

Also Politiker zu Profis machen. Die „Scientists For Future“, die sowieso darüber klagen, dass Politiker sie seit 40 Jahren (beginnend mit den Impulsen aus dem Club of Rome) zum Schaden unseres Landes ignorieren und allenfalls als „selbstgefällig“ abkanzeln, sind sicher bereit, sich hier einzubringen. Dies gilt auch für einen weiteren Lehrinhalt, nämlich „Generation Z“. Damit Politiker überhaupt mit den jungen Menschen reden können, müssen sie diese etwas andere Generation verstehen. Der Autor dieses Beitrags meldet sich zusammen mit Co-Referenten aus der Generation Z freiwillig und freut sich schon auf die Abschlussklausur, die wir dann (Abschreiben verboten!) im Plenarsaal des Bundestags schreiben werden – übertragen bei Phoenix.

Peter Altmaier kann sich ja schon mal vorbereiten. Ein Buch zum Thema liegt in seinem Schrank. Vielleicht versteht er dann als erster deutscher Bundespolitiker die Jugendbewegung Fridays For Future nicht nur als gesetzwidrigen Aufstand der Fruchtzwerge, sondern als eine positive Intervention einer unterschätzten Generation.

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PS Irgendwie hat man den Eindruck, unsere Politiker würden alle den Aufruf „Don’t Panic“ von Douglas Adams aus seinem „Reiseführer per Anhalter durch die Galaxis“ als oberste Handlungsanweisung einsetzen. Alles halb so schlimm. Irgendwie kommen wir da schon durch. Aber dann haben sie sein Buch nicht verstanden. Denn er warnt gerade uns alle vor der Gefahr der verschlossenen Augen, weil diese mit etwas Pech erst dann aufgehen, wenn nichts mehr zu ändern ist: sei es – und beide Beispiele kommen in seinen Büchern vor – der Abriss von Häusern wegen einer Umgehungsstraße oder die völlige Zerstörung des Planeten Erde.

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