Sofort feuern! Oder was man von Lothar und Jupp lernen sollte!

17. April 2011

In Unternehmenstrainings propagiert man „fairen Umgang“ mit Mitarbeitern, die das Unternehmen verlassen wollen. Gleichzeitig werden Unternehmen kritisiert, die hier eine ganz harte Linie fahren und auf Kündigung mit sofortiger Freistellung reagieren. Spätestens seit der „Niederlage“ von Jupp Heynckes bei Bayern München sollte man den Reiseführer „Per Anhalter durch die Arbeitswelt“ zu Rate ziehen – sonst wird es für das Unternehmen wirklich teuer.

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Rapid Wien hat es vor kurzem konsequent vorgemacht: Als der Trainer Peter Pacult begann, mit dem RB Leipzig zu liebäugeln, wurde er rausgeschmissen – nicht wegen seiner Leistung, sondern weil man darin einen derartig „massiven Vertrauensbruch“ und keine Chance zur weiteren Zusammenarbeit sah.

Bayer Leverkusen machte es anders: Man zeigte großmütig Verständnis dafür, dass Jupp Heynckes lieber zu Bayern München wechseln wollte. Man sah auch kein Problem darin, Jupp Heynckes im entscheidenden Spiel gegen Bayern München auf der Trainerbank sitzen zu lassen. Dabei hätte die Vereinsführung das Problem erkennen müssen. Denn für Bayern München (und damit auch für Jupp Heynckes als ihren neuen Trainer) ging es um die Teilnahme in der Champions League und damit um Millionen Euro. Und allenfalls naive Fußball-Idealisten konnten darüber überrascht sein, dass Leverkusen mit 5:1 in München haushoch unterging.

Rückblende: Einige Leser dieses Reiseführers werden sich an Lothar Matthäus erinnern und auch daran, dass man sich vor allem an ein Tor von ihm erinnert: 1984 spielte er für Mönchengladbach, hatte bereits kurz vor Saisonende seinen Wechsel zu Bayern München publik gemacht und verschoss im DFB-Pokalfinale im Elfmeterschiessen „gegen“ seinen zukünftigen Arbeitgeber Bayern München ziemlich eindeutig. Dadurch gewann Bayern München den Pokal 6:7. Übrigens: Damals war Jupp Heynckes der Trainer von Mönchengladbach und der damalige Leidtragende. Jetzt ist er der Nutznießer der eigenen Niederlage.

Etwas nostalgisch definiert damit der Reiseführer „Per Anhalter durch die Arbeitswelt“ folgenden Begriff: „Ein Lothajupp ist eine Situation, in der eine wechselbereite Führungskraft durch eigenes Versagen seinem aktuellen Arbeitgeber schaden, aber im Umkehrschluss dem zukünftigen Arbeitgeber extrem nutzen kann.“

Niemand kann und wird Jupp Heynckes unterstellen, bewusst seine Mannschaft bei Bayern München derartig miserabel eingestellt zu haben, dass sie derartig desolat gespielt hat. Genauso wie man Lothar Mathäus damals bei seinem verschossenen Elfmeter keine Absicht unterstellen darf. Sicherlich werden damals weder Jupp Heynckes noch Lothar Matthäus Prämien von Uli Hoeneß für „entsprechendes“ Verhalten versprochen worden sein. Demnach ist sicher nichts Unrechtes im Spiel.

Doch es gibt so etwas wie ein Unterbewusstsein: Wenn Jupp Heynckes bei Bayern München verliert – was er ja bekanntlich geschafft hat – dann stellt er den mächtigen Uli Hoeneß als seinen zukünftigen Chef zufrieden. Das alleine ist ein wichtiges Motiv, denn bei einem Sieg in München hätte er eigentlich nicht mehr als Trainer antreten brauchen. Es geht aber noch weiter im Unterbewusstsein: Verliert Jupp Heynckes gegen Bayern München, spielt er im nächsten Jahr in der Champions League – ansonsten nicht.

Spätestens jetzt ist klar, dass das Management von Bayer Leverkusen stümperhaft und naiv gehandelt hat: Würde ein Manager seinem Entwicklungsleiter, der erklärt hat, zur Konkurrenz abzuwandern, noch die Gelegenheit geben, sich einmal gründlich im eigenen Computersystem umzusehen? Oder ihm erlauben, bei der entscheidenden Strategiesitzung dabei zu sein? Oder die alles entscheidende Wettbewerbspräsentation für den alles entscheidenden Pitch vorzubereiten? Alles definitiv nicht: Hier dürfte Werner Wenning (jetzt Vorsitzender des Bayer-Gesellschafterausschusses) in seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender der Bayer AG ganz anders agiert haben.

Tipp für Unternehmen: „Vermeiden Sie konsequent, in ein Lothajupp zu kommen. Tief im Unterbewusstsein sind Führungskräfte (wie Trainer und Fußballspieler) opportunistisch. Wenn Sie in einem Lothajupp sind, muss die betreffende Person „isoliert“ werden: Das ist kein Misstrauen, kein Missmanagement, sondern lediglich Vorsicht vor dem Unterbewusstsein.“

Danach hätte Jupp Heynckes nie (!) bei diesem Spiel auf der Bank sitzen dürfen.

Gleichzeitig fällt auf, dass gerade Bayern München recht häufig in eine solche Situation kommt: Hatte nicht auch einmal Klose (damals Werder Bremen) kurz vor einem wichtigen Spiel „Geheimverhandlungen“ mit Bayern München gehabt? Und gab es da nicht auch noch andere Fälle? Auch wenn – und das sei ganz klar betont – nie keine Absicht auf der Seite von Bayern München unterstellt wird, bietet sich doch ein kleiner Ratschlag an, der in eine ganz andere Richtung geht …

Tipp für Unternehmen: „Versuchen Sie möglichst bei Ihren Konkurrenten Lothajupps zu produzieren. Vielleicht nützt es nichts – aber es wird auch nichts schaden. Und im Zweifelsfall bei UH nachfragen.“

Mit Blick auf die Fußballgeschichte bleibt festzuhalten: Genauso wie Wikipedia als eine zentrale „Leistung“ von Lothar Matthäus seinen verschossen Elfmeter gegen Bayern München nennt, wird Jupp Heynckes dieses „5:1 für Bayern München“ als entscheidenden Punkt in seiner Karriere akzeptieren müssen.

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P.S.: Liest man den Reiseführer „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams ausführlich – was man mehrfach am Tage tun sollte – so kommt noch ein weiterer Ratschlag ins Spiel. Vielleicht hätte Jupp Heynckes  selbst auf seine Trainerrolle in diesem Spiel verzichten und den klugen Zaphod mit folgenden Worten zitieren sollen: „Ich würde mir selber nicht weiter trauen als eine Ratte spucken kann.“

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