Perspektivfrage im Bewerbungsgespräch

27. Oktober 2006

Wenn Sie den Schwarzen Mitarbeiterabbauplaneten vermieden haben und die Flut der fatalen Absagebriefe Sie nicht erreicht hat, kann es sein, dass Sie plötzlich im Bewerbungsgespräch sitzen. Und dann kommt eine Frage, die scheinbar rhetorisch immer wieder vorkommt. Die Frage lautet „Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?“ Auch wenn dieser Satz in den meisten Bewerbungsführern steht und als eher simpel angesehen wird, ist er tückischer und gefährlicher, als es den Anschein hat.

Die Situation entspricht dem, was Douglas Adams in seinem ersten Buch beschreibt: „Die Gefangenen saßen auf Poesiewürdigungsstühlen – festgeschnallt, denn die Vogonen gaben sich, was die allgemeine Wertschätzung ihrer Werke betraf, keinen Illusionen hin. Der Vogone Jeltz fing an zu lesen – eine mistige kurze Passage seines Machwerkes. ‚Oh zerfrettelter Grunzwanzling …’ begann er und hörte nicht auf. Dann die Frage: ‚Also Erdlinge, ich stelle euch vor eine einfache Wahl! Entweder ihr sterbt in der luftleeren Weite des Raumes oder aber ihr sagt mir, wie gut Euch mein Gedicht gefallen hat“.

Da sitzt nun der Vogone Jeltz vor ihnen und erwartet die Antwort auf die Frage „Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?“.

In dieser Situation schlägt der Reiseführer durch die Arbeitswelt ein zweistufiges Vorgehen vor: „Auf entsprechende Fragen im Bewerbungsgespräch ist zum einen zu prüfen, was die unternehmenskulturell richtige Antwort ist, zum anderen ist selbstkritisch zu beantworten, was die ehrliche Antwort ist. Die Antworten können übereinstimmen, können aber auch abweichen“.

Die Antwort nach „unternehmenskulturell richtig“ ist natürlich schwierig, Hilfestellung bietet der Reiseführer durch die Arbeitswelt mit zwei kleinen Suchscheinwerfern:

Der eine Suchscheinwerfer ist der Umgang mit Wettbewerb, Leistungsmessung, Karriererichtlinien und so weiter. Ist das im Unternehmen wichtig – was man bereits in der Vorbereitung auf das Gespräch merkt – dann kommen diese Punkte in der Antwort vor. Also: „Dies wird sicher davon abhängen, wie ich in den Leistungsbeurteilungen abschneide, aber ich kann mir schon vorstellen …“.

Und beim zweiten Teil des Satzes sind wir auch schon beim zweiten Suchscheinwerfer. Er betrifft die Rolle des Individuums. Für manche Unternehmen ist es wichtig, was der Einzelne macht und will; im Extremfall akzeptiert man sogar kleine Egoisten. Hier sind angemessene Antworten solche mit „Ich“ und „Ich will“ und „Ich werde“. Diese Worte sind unangebracht bei Unternehmen, in denen wie in Bienenkörben der Einzelne nicht als solcher zählt.

Offen bleibt allerdings noch eine Aussage dazu, wie ehrlich man antwortet. Natürlich steht in normalen Reiseführern „immer ehrlich“. Was der Reiseführer durch die Arbeitswelt dazu vorschlägt, kommt in einem der nächsten Einträge.

Bild zu: Perspektivfrage im Bewerbungsgespräch

P.S.: Das Ergebnis der Antwort der Gefangenen bei Douglas Adams? Die luftleere Weite des Raumes.

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