iGlocalize als Karrierelogik

10. August 2007

Immer häufiger geht der berufliche Werdegang über mindestens eine Station im Ausland. Und immer häufiger ist das für den Betroffenen bereits der Anfang vom Ende. Dies muss aber nicht sein – wenn man den Reiseführer „Per Anhalter durch die Arbeitswelt” gelesenen und dort das Kapitel mit dem Namen „iGlocalize” intensiv studiert hat.

Bild zu: iGlocalize als Karrierelogik

Nein, heute geht es nicht um die Freiheitsglocke, die in Philadelphia hängt. Vielmehr stößt man als Reisender durch die Arbeitswelt eher zufällig auf eine Stadt in den USA (Philadelphia), wo natürlich zufällig auch eine Glocke hängt (Freiheitsglocke Bell), die für uns erst einmal keine Bedeutung hat. Aber in dieser Stadt findet zufällig eine Tagung statt (Academy of Management), wo  und das hat für uns jetzt sehr wohl eine Bedeutung – es auch um die Arbeitswelt und die damit verbundenen Konflikte geht.

Der erster Konflikt: Über ein globales Personalmanagement versuchen Unternehmen immer mehr, Prozesse und Vorgaben weltweit zu standardisieren. Gleichzeitig versuchen aber die lokalen Einheiten, immer mehr und immer verdeckter, eigene Regeln für sich aufzustellen und die Vorgaben der Zentrale zu unterlaufen. Wie es ein Teilnehmer so schön ausdrückte: „Wenn eine Anfrage kommt, ob wir einen gewissen Standard einhalten, dann sagen wir ganz laut JA und hoffen, dass es nie jemand überprüft!”.

Ein zweiter Konflikt: Unternehmen reden immer mehr von individuellen Freiheiten, immer mehr von individuellen Chancen und immer mehr von respektierter Individualität. Gleichzeitig agieren Unternehmen knallhart darwinistisch – allerdings verdeckt. Anders ausgedrückt: Man wirbt zwar groß mit der Freiheitsglocke, die aber letztlich dann doch nicht zum Klingen kommt.

Der Reiseführer „Per Anhalter durch die Arbeitswelt” definiert daher: „Die Karrierestrategie iGlocalize verlangt, die vorgegebenen Freiheiten der (1) globalen und (2) lokalen Strategien ebenso wie ihre (3) unausgeschriebenen lokalen Gegenläufigkeiten zu kennen, diese aber (4) gründlich daraufhin zu untersuchen, ob sie wirklich gelten, um dann (5) für sich selber seinen ganz persönlichen Verhaltenskodex zu definieren.” 

Das klingt kompliziert, ist es aber nicht: Man muss sich nur davon verabschieden, dass das, was irgendwo geschrieben steht, wirklich gilt. Damit entspricht iGlocalize trotz ähnlichen Namens nicht dem „Glocalize” aus der Managementtheorie, wo es darum geht, innerhalb einer globalen Strategie eine lokale Konkretisierung zu realisieren.

Wenn der Finanzvorstand von Infineon irrtümlich davon ausging, dass er sich wirklich intensiv mit der finanziellen Situation von Infineon beschäftigen könne, dann hat er – zumindest steht dies so in diversen Medien geschrieben – fälschlicherweise zu sehr an die globale Freiheit im Unternehmen geglaubt. Zusätzlich übersah er, dass sein lokales Team zudem unausgeschriebenen lokalen Gegenläufigkeiten folgte. iGlocalize hätte ihn gewarnt und darauf hingewiesen, nicht den Mythen und Märchen von der großen Freiheit zu glauben.

Also: Sowohl die faszinierenden Freiheiten und Möglichkeiten der globalen (Personal-)Strategien wie auch die Versprechungen der lokalen Einheiten sind bei Lichte besehen zwei Pseudo-Freiheiten, also eigentlich mehr Schein als Sein.

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Genauso wie Douglas Adams vorschlägt, als Gundausstattung für Reisende durch die Galaxis immer ein Handtuch mitzuführen (siehe dazu den EINTRAG  Einstellungstest plus Handtuch in diesem Reiseführer), müsste man jetzt allen international aktiven Mitarbeitern vorschlagen, zwei kleine Freiheitsstatuen auf den Schreibtisch oder auf ihren Koffer zu stellen: Nicht etwa, dass diese wirklich Freiheit signalisieren würden. Vielmehr gibt es mit der globalen und der lokalen „Freiheit”  zwei Scheinfreiheiten, an die man tunlichst nicht glauben sollte und auf die man sich tunlichst rasch einstellen muss. Und damit sind wir zu guter Letzt doch noch bei der Freiheitsglocke in Philadelphia angekommen, die übrigens einen riesigen Sprung hat und auch nicht (mehr) als Glocke einsetzbar ist.

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P.S.: Dass es nicht ganz einfach und auch nur begrenzt lustig ist, eine defekte Glocke zum Klingen zu bringen, beschreibt auch Douglas Adams in seinem Reiseführer durch die Galaxis, wenn er schreibt: „Zaphod sprang von seinem Sessel hoch. <Sie verlangt von dir nicht, dass es dir Spass macht> brüllte er, <du sollst es einfach tun!>. <Schon gut>, sagte Marvin, und es hörte sich an wie das Läuten einer großen geborstenen Glocke. <Na, grossartig> , kläffte Zaphod.

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