Passant als Pokalsieger? Hans Meyer und der 1. FCN

5. April 2007

Hans Meyer ist einer der interessantesten Trainer der Fußball-Bundesliga und hätte auch in Douglas Adams “Per Anhalter durch die Galaxis” seinen Platz gefunden. Dort findet man ihn aber nicht – umso besser, denn jetzt findet man ihn in dieser Hinsicht exklusiv im Reiseführer “Per Anhalter durch die Arbeitswelt”: Kombiniert mit Aussagen zu Passanten, Pokalsiegern, Führungskräften und vielem Anderen mehr…

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Der Berichterstatter zieht sein Original-1. FCN-Trikot an, bestaunt noch einmal kurz das Originalautogramm von Hans Meyer, bedankt sich im Geiste bei Herrn Krausert (DATEV/Nürnberg) für dieses schöne Geschenk, setzt sich mit seinem Apple-Notebook auf die grüne Wiese und erinnert sich an den einige Tage zurückliegenden Abend, an dem er in Nürnberg über Führung beim Fußball und in Unternehmen sprechen durfte. Dieses Treffen war gleichzeitig ein Déjà vu, war es doch die Fortsetzung eines Dialoges, der am 7. Juni 2001 im Rahmen des damaligen DGFP-Kongresses stattfand und der sich noch immer im unendlichen Raum des Internets wieder findet.
Wie damals war Hans Meyer auch dieses Mal beeindruckend aufgrund der Intensität und Authentizität seiner Antworten. Vor allem aber räumte er mit einigen Klischees auf:

Klischee 1: Trainer seien “visionäre Motivatoren”. In der Theorie der transformationalen Führung sind Führungskräfte (und damit auch Trainer) Personen, die durch glühende Brandreden, durch kraftvolle Bilder und durch emotionalisierende Slogans die ansonsten eher faulen und unmotivierten Mitarbeiter (Spieler) in Bewegung bringen. Hans Meyers These: Zumindest Bundesligaspieler müssten vom Prinzip her bereits aus sich heraus ausreichend motiviert sein, denn es geht schließlich um ihr eigenes Geld. Und ob motivierende Visionen langfristig wirken, muss erst bewiesen werden.

Klischee 2: Trainer hätten immer einen “großen Plan”. In der strategischen Planung ist vieles vorher festgelegt und die Reaktion auf diverse Unwegsamkeiten vordefiniert. Darauf, dass das so nicht sein muss, hat bereits Henry Mintzberg hingewiesen. Also stand auch hinter dem Auswechseln des Tormanns im (gewonnenen) Pokalspiel gegen Hannover kurz vor dem Elfmeterschießen nicht der “ganz große Plan”, sondern eine spontane Entscheidung.

Klischee 3: Trainer seien fest mit der Mannschaft verzahnt. In der Führungstheorie zählt angeblich gerade die intensive, enge und im Prinzip auch “auf Dauer”-Bindung zwischen Führungskraft und Mitarbeiter. Hans Meyer dagegen: Trainer sind wie Passanten, die auf eine Mannschaft treffen. Das mag auf den ersten Blick verblüffen, ist aber gerade in der heutigen Arbeitswelt ein interessanter Vergleich, der auch manchmal für DAX-30-Vorstände zutrifft.

Auf der anderen Seite liefert uns Hans Meyer mindestens zwei Forderungen für Trainer (und Führungskräfte):

Forderung 1: Trainer müssen fachlich unantastbar sein! Dies ist zwar nahe liegend, entspricht aber nicht dem Selbstverständnis vieler Führungskräfte, die sich lieber als “Moderator”, “Mediator” oder “Mentor” sehen. Manche Führungskräfte sind sogar stolz darauf, sich im “fachlichen Bereich” nicht auszukennen – das überlassen sie ihren Mitarbeitern.

Forderung 2: Trainer müssen glaubwürdig sein! Auch das liegt nahe und wird immer wieder propagiert, ist aber in der Realität oft ein Problem. Zu oft verschanzen sich Führungskräfte hinter Ideen “von oben”, vergessen persönliche Integrität, instrumentalisieren Geschäftsordnungen und Protokollnotizen, arbeiten aus egoistisch-monetären Gründen mit zweifelhaften Personen zusammen oder “halten sich raus”.

Hans Meyer wäre nicht Hans Meyer, wenn er diese Klischees und diese Forderungen in dieser klaren Systematik aufgestellt hätte – und damit vor allem doch den “großen Plan” propagiert hätte. Deshalb ist der nachfolgende Eintrag nur ein vorläufiges Zwischenergebnis:

Der Reiseführer “Per Anhalter durch die Arbeitswelt” definiert damit: “Die Führungskraft vom Typ ‚Passant’ sieht sich als zeitlich befristete Leitfigur, die fachlich unantastbar und persönlich glaubwürdig eine intellektuell-klare Linie vorgibt, die es emotional-intuitiv zu konkretisieren gilt”.

Dieser Eintrag ist zwangsläufig noch kein Abschlussbericht. Aber bis zum nächsten Treffen wird es nicht noch einmal sechs Jahre dauern! Denn hier ist noch viel zu erforschen …

… bis dahin aber wünscht der Reiseführer “Per Anhalter durch die Arbeitswelt” Hans Meyer und dem Club viel Erfolg (vor allem beim Pokal in Nürnberg/Berlin) und dann eine schöne Party nach dem Gewinn des DFB-Pokals!

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P.S.: Im Gegensatz zum oben beschriebenen Treffen für den hier zu entwickelnden „Reiseführer durch die Arbeitswelt“ wirkt die sportliche Beschreibung von Douglas Adams in seinem “Reiseführer durch die Galaxis” eher konventionell: “…Sie hatten offensichtlich auch Kricketschläger mit, und nicht nur das, sie hatten offensichtlich auch Kricketbälle mit, und nicht nur das, sie trugen auch weiße Beinschienen um die Schienenbeine, die es ihnen ermöglichten, von ihrem in der Luft schwebenden Raumschiff herabzufliegen …”

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