EM 2008: Expect Emotions

6. Juni 2008

Ja! Die Fußball-Europameisterschaft hat begonnen! Bei allen Träumen der Deutschen Fußballnation vom Titelgewinn in Wien geht fatalerweise der Slogan unter, den die Organisatoren dieser Veranstaltung gegeben haben: Expect Emotions. Doch der Reiseführer „Per Anhalter durch die Arbeitswelt“ wäre ein schlechter Reiseführer, hätte er dies nicht erkannt und sofort als wegweisend eingestuft.

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Wäre es nicht schön, wenn wir auch an unserem Arbeitsplatz von einem Schild oder einem Fähnchen mit der Aufschrift „Expect Emotions“ begrüßt würden? Und vielleicht noch schöner, wenn uns unser Arbeitsplatz wirklich emotional ansprechen könnte?

Denn genau hier gibt es ein trauriges Defizit: Wir leben in einer scheinrationalen Welt, in der die sachliche Information dominiert. Beispiel Stellenanzeigen: Sie gähnen im Regelfall vor Langeweile. Man findet viel Text, wenig Bilder, viele Buchstaben, wenig Aussage. Im Ergebnis erreichen viele Unternehmen hier nicht einmal das emotionales Aktivierungsniveau von Telefonbüchern. Das gleiche gilt für einige Personalkongresse, für manche Lehrbücher, sicherlich auch für diverse Vorlesungen und letztlich für vieles andere.

Der Reiseführer „Per Anhalter durch die Arbeitswelt definiert: „Expect Emotions“ (a) Slogan der Fußball-EM 2008, (b) unerfüllter Traum verträumter Bewerber, (c) Tabu-Thema für die klassische Betriebswirtschaftslehre, (d) potenzieller – aber kaum genutzter – Wettbewerbsvorteil.

Warum tun sich aber Unternehmen so schwer, auf Emotionen zu setzen? Vielleicht haben wir es in unserer Sachlichkeit verlernt, derartiges als wünschenswert und wichtig einzustufen. Zwar erfreuen wir uns an großflächiger Unterwäschereklame und akzeptieren auch die Emotion, die durch das Fahren von Autos einiger Fabrikate entsteht – die Personalarbeit sieht in der „emotionalen Aufladung“ ebenso wie viele andere weitgehend ein Tabu-Thema.

Deshalb ein Ratschlag für Unternehmen aus unserem Reiseführer für Unternehmen: Create Emotions!

Nur wer als Arbeitgeber Emotionen schafft, gewinnt dauerhaft Kunden und Mitarbeiter. Es geht aber nicht nur um grafische Emotionen: Noch wichtiger ist die inhaltliche Emotionalisierung, also das Employer Branding und der „Arbeitgeber als Marke“. Dazu gehört auch die für eine Akquisition von Mitarbeitern so wichtige Homepage: Sie wird nicht mehr nur (hoffentlich!) technisch korrekt gestaltet, im Mittelpunkt steht der emotionale „joy of use“.

Jede noch so kleine Bewegung weg von der aktuellen Tristesse so mancher HR-Kommunikation ist ein Fortschritt. Nur: Emotionalisierung kann nicht intuitiv-zufällig „mal eben so“ entstehen. Dahinter steckt wissenschaftlich-professionelles Know How.

Konsequenz für Bewerber (und hier wird der Reiseführer wirklich zum Karriereberater): Achten Sie darauf, ob Sie ein Unternehmen „emotional anspricht“. Was fühlen sie? Wie gefällt Ihnen das Gefühl? Ist es positiv oder negativ oder (am schlimmsten): Wird überhaupt eine Emotion geweckt?

Verweigern Sie sich im eigensten Interesse allen Unternehmen und allen Managementaktivitäten, die nicht gleichzeitig auch Ihre Emotion ansprechend ansprechen. Denn: Bei emotionaler Leere auf Seiten des Unternehmens kann auf Ihrer Seite weder Motivation noch Commitment geweckt werden.

In letzter Konsequenz führt dies zwangsläufig zu „Emotionalisierung als Karriere- und als Wettbewerbsfaktor“, also zu einer Emotionaliserung der gesamten Personalarbeit: Sie wird dadurch insgesamt interessanter, wirksamer und aufregender.

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P.S.: Gerade zu diesem Thema hilft uns – auch wenn es uns alle regelmäßig erstaunt – der alte, aber noch nicht veraltete Originalreiseführer von Douglas Adams „Per Anhalter durch die Galaxis“. Denn er stellt uns „Emotionen zu Studienzwecken zur Verfügung, zum Beispiel »Erleichterung«, »Freude«, »Ausgelassenheit«, »Appetit«, »Zufriedenheit« und, als wichtigste von allen, die Sehnsucht nach »Glück«.“ Gleichzeitg warnt er eindringlich: „Sogar mit einem Draht in der Heiterkeits-Elektrode wird Fröhlichkeit leicht Fröhlichkeit von der nervöseren Sorte.“

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