Deutschland als gewerkschaftsfreie Zone?

22. Juni 2007

Was haben der Arbeitsminister Müntefering und die Personalvorstände Sattelberger und Fleig gemeinsam? Nun, vielleicht werden diese drei Personen einmal in der Historie der deutschen Arbeitswelt als diejenigen eingehen, die dafür gesorgt haben, dass in Deutschland die Gewerkschaften dauerhaft in der absoluten Bedeutungslosigkeit versunken sind. Natürlich ist es noch nicht so weit und natürlich kann es vollkommen anders kommen – aber der Reiseführer durch die Arbeitswelt wäre unvollständig, würde er nicht zumindest auf die schwachen Signale eingehen.

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Kaum war BenQ-Siemens vergessen, erlebten wir die elegante Form, in der sich DaimlerChrysler der ungeliebten Chrysler-Tochter entledigte. Und jetzt tritt die Deutsche Telekom auf den Plan und „verlagert” 50.000 Mitarbeiter.

Egal wie man es dreht und wendet: Die Marktradikalität hat sich durchgesetzt! Die Gewerkschaften konnten streiten und streiken wie sie wollten, am Ende hatte sich der Personalvorstand Thomas Sattelberger durchgesetzt und ver.di in die Bedeutungslosigkeit demontiert – nicht ganz so geräuschlos wie sein Kollege Günther Fleig bei DaimlerChrysler, aber immerhin.

Rückblende: Vor rund 3 Jahren durfte der Berichterstatter einmal (und es war wirklich nur einmal) vor Gewerkschaftlern über seine These des Darwiportunismus und vor allem über die bevorstehende Marktradikalität referieren. Vom hohen Podium herab wurde er vom DGB-Vorstand Dietmar Hexel eines besseren belehrt: „Also falls es je so einen Darwiportunismus geben sollte, werden wir dagegen erfolgreich streiken”. Nun, das kam letztlich anders.

Eintrag in den Reiseführer durch die Arbeitswelt: „Hexelscher Irrtum: (a) Bis 2007 gültige These. (b) Historisch überlebte Vermutung eines Gewerkschaftlers, durch Streik Marktkräfte ausschalten zu können.”

Was aber ergibt sich jetzt als Botschaft für die Mitarbeiter? Marktradikalität bedeutet, dass es immer eine Beschäftigtengruppe gibt, die auf der Produktivitätsliste unten steht. Für diese Gruppe gilt das Postulat von Kostensenkung um jeden Preis.

Zusammengefasst in der Sprache des Reiseführers führt dies zu folgendem Rat: „Der Logik des Schwarzen Mitarbeiterabbauplaneten folgend, wirft dieser in jedem Unternehmen IMMER seinen Schatten auf mindestens eine Mitarbeitergruppe. Für diese Schattenmenschen gilt: Rette sich, wer kann´. Für alle anderen gilt, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wohin der Schatten als nächstes fällt.”

Was aber hat Franz Müntefering damit zu tun? Durch seine Radikalität, in der er die Etablierung eines Mindestlohns in den Aufgabenbereich des Gesetzgebers verlagern will, belegt er seinen Unglauben an die Leistungsfähigkeit der Gewerkschaften. So gesehen, sind vielleicht Müntefering, Fleig und Sattelberger trotz ihrer Unterschiedlichkeit in historischer Form aktiv geworden.

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P.S.: Zu der Idee, wie – fast nebenbei – eine Institution der deutschen Arbeitswelt in Namen der Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland ihrer Bedeutung beraubt wird, passt die Art und Weise, wie der Vogone vom Galaktischen Hyperraum-Planungsrat den Erdenbewohnern mitteilt, dass die Erde wegen einer Hyperraum-Expressroute gesprengt werden muss: „Bewohner der Erde, bitte herhören…Wie Ihnen zweifellos bekannt sein wird, sehen die Pläne zur Entwicklung der Außenregionen der Galaxis den Bau einer Hyperraum-Expressroute durch ihr Sternensystem vor, und bedauerlicherweise ist Ihr Planet einer von denen, die gesprengt werden müssen. Das ganze wird nur etwas weniger als zwei Ihrer Erdenminuten in Anspruch nehmen. Danke.”

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