Das „Gesetz des geraden Weges“ als neue Karrierelogik?

12. Januar 2007

In den obligaten Karrieremagazinen findet man oft viele Informationen zu bunten Patch-Work-Karrieren, zu erfolgreichen Quereinsteigern, zur biographischen Vielseitigkeit und allenfalls warnende Hinweise auf bedenkliche Spezialisierung beziehungsweise noch bedenklichere Kaminkarrieren, in denen man wie ein übergewichtiger Weihnachtsmann stecken bleibt.

Zum (Um?-)denken rät jetzt allerdings ein Artikel aus der Zeitschrift managerSeminare, der sich mit dem tatsächlichen und auch mit dem aktuell zu erwartenden Ablauf von Karrieren beschäftigt.

Die ganz klare Aussage: Geradlinigkeit zählt! Die Ausbildung muss zum Berufsziel passen, die Praktika zu Ausbildung/Berufsziel und im Idealfall auch die privaten Hobbies zu Praktika /Ausbildung/Berufsziel. Was zählt ist Kontinuität. Ähnliches gilt für Auslandsaufenthalte: Sie sind nicht per se gut, sondern oftmals eher Umwege und allenfalls rasch zu durchlaufende Zwangsaufenthalte, die einen zwangsläufig von den eigentlichen Zentren der Macht entfernen. Dieses Muster kann man im Übrigen an Vorständen ebenso erkennen wie an “normalen” Karrieresuchenden.

Folgerichtig führt diese Beobachtung zu folgendem Eintrag in den Reiseführer “Per Anhalter durch die Arbeitswelt”: (1) Nach dem ungeschriebenen und in seiner Existenz meist bestrittenen Gesetz des geraden Weges machen langfristig nur diejenigen Karriere, deren Biographie eine unbestreitbare Gradlinigkeit aufweist. (2) Entscheidend ist weniger die objektive Gradlinigkeit, als die Wahrnehmung der Adressaten. (3) Diese Wahrnehmung ist durch entsprechende Lebensläufe und “individuelle Erwerbsbiographien” steuerbar. (4) Das Gesetz des geraden Weges wird dargestellt durch die Metapher des Zuges, der auf klar definierten Schienen im Regelfall über klar definierte Strecken fährt.

Eintrag (3) bedeutet nicht Fälschung und Lüge im Lebenslauf. Wohl aber kann man ein USA-Praktikum bei einer Beratungsfirma (a) als Sprachtraining, (b) als Erfahrung im Consulting, (c) als Erfahrung in der Branche des zugeteilten Kunden in der Beratungsbranche, (d) als Einstieg in das Städte-Marketing von New York und (e), (f) … (z) “verkaufen”. Dies bedeutet aber: Vor jeder Bewerbung ist die Bewerbung umzuschreiben – natürlich bei beizubehaltender Authentizität.

Übrigens: Das bunte Bild, das manche Hochglanzmagazine von der “Karriere” zeichnen, entspricht demnach in keiner Weise der Realität. Trotzdem ist es nachvollziehbar, wenn die Chefredakteure dieser Magazine auf derartige Bilder Wert legen, da Firmen (=Anzeigenkunden) sich als Arbeitgeber gerne in dieser kosmopolitischen Form darstellen wollen. Und umgekehrt wollen Bewerber zwangsläufig an diese wunderbare Vielfalt nach dem Prinzip “Alles geht…!” glauben. Dass dieses Vorgaukeln einer falschen Realität für Firmen und Bewerber teilweise kontraproduktiv ist, wurde allerdings im Reiseführer “Per Anhalter durch die Arbeitswelt” bereits unter dem Eintrag “Zur Fatalität von flutartigen Absagen” thematisiert.

Vorsicht allerdings vor einer negativen Leseart dieser Erkenntnisse: Denn der Vorteil des Gesetzes des geraden Weges liegt eben in seiner Gesetzmäßigkeit. Anders ausgedrückt: Folgt man diesen (geraden) Wegen, so hat man zumindest eine gewisse Sicherheit auf dem richtigen Weg zu sein und nicht ein Gefährdeter für eine unangenehme Überraschung.

Bild zu: Das "Gesetz des geraden Weges" als neue Karrierelogik?

P.S.: Im Originalreiseführer von Douglas Adams “Per Anhalter durch die Galaxis” liest man: “Lautlos schwebte das Luftauto …. rasch dahin. … Die Bewegung empfand er als so sacht und leicht, dass er fast der Meinung war, sie bewegten sich überhaupt kaum von der Stelle”.
Allerdings gibt es auch so etwas wie die “Unwahrscheinlichkeitsphysik” – aber das ist ein anderes Kapitel.

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