Generation G: Computerspieler als Sicherheitsrisiko?

8. April 2009

Nachdem inzwischen sogar DER SPIEGEL das Computerspiel „World of Warcraft“ in die verdammenswerte Nähe von Killerspielen gestellt hat, muss der Reiseführer „Per Anhalter durch die Arbeitswelt“ wieder einmal aufklärerisch tätig werden und der Frage nachgehen: Sollen Unternehmen Computerspieler überhaupt einstellen oder aus Sicherheitsgründen lieber gleich vor dem Werkstor aussortieren?

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Für die, die es nicht wissen: „World of Warcraft” (WoW) ist ein in einer Fantasy-Welt angesiedeltes Computerspiel, bei dem Spieler künstliche Figuren („Avatare”) darstellen, die ganz bestimmte Rollen mit ganz bestimmten Fähigkeiten einnehmen, die sie permanent weiterentwickeln können. Im Zusammenspiel mit anderen Charakteren und deren Fähigkeiten ist es dann möglich, „eher das Böse in dieser Welt”, wie zum Beispiel einen Drachen, zu besiegen.

Egal ob Business Week, Harvard Business Publishing oder WIRED: Alle diese Zeitschriften sind sich darüber einig, dass gerade WoW wichtige Aspekte für die Arbeitswelt der Zukunft vermittelt. Dazu gehören laut Business Week vor allem die Ideen der klaren Ergebnisorientierung, der permanenten Leistungssteigerung, der intrinsischen Motivation und der Gedanke von Teamwork, speziell charakterisiert durch Verantwortungsteilung, deutliches Feedback und wechselseitige Belohnung.

Gleichzeitig gibt es prominente Beispiele für WoW, darunter Steffen Gillett, zunächst erfolgreich bei Yahoo und seit Anfang 2009 als CIO tätig bei Starbucks: Steffen Gillett ist bekennender WoW-Spieler und ein erfolgreicher Gildenleiter, also quasi „CEO” einer WoW-Gilde. Für ihn ist es klar, dass gerade dieses Spiel dazu prädestiniert, in der aktuellen Arbeitswelt zu überleben.

Aus diesem Grunde gilt es zu notieren: „World of Warcraft’ (WoW) ist ein Computerspiel, das (1) als Trainingsinstrument wichtige Fähigkeiten wie Team- und Leistungsorientierung vermittelt, (2) prognostische Qualitäten für zukünftige Topmanager hat, (3) durch die eingenommenen Rollen Hilfestellung bei der Eignungsdiagnostik leistet und (4) durchaus Spaß macht.”

Also: Durch WoW lernt man Einiges. Gleichzeitig wird auch rasch deutlich, wie gut man abgeschnitten hat, da jeder WoW-Spieler ein klares Leistungsprofil hat. Interessant dann auch die Rolle, die jemand spielt: Danach dürften gerade Gildenmeister für die Rolle von Top-Managern geeignet sein, während Klassenleiter eher als hochspezialisierte Team-Manager und als Kommunikationsschnittstelle zwischen Top-Management und Mitarbeiter dienen können.

Einschub: Falls einem im Berufsleben stehenden (ehemaligen?) WoW-Spieler dieser Reiseführer-Beitrag in die Hand fällt, würden wir alle uns über einen kurzen Hinweis im Feedbackteil auf seine WoW-Rolle und seine aktuelle Rolle im Unternehmen freuen!!

Doch jetzt kommt der ernste Teil: Als Reaktion auf den Amok-Lauf von Tim K. in Winnenden brachte natürlich auch DER SPIEGEL einen entsprechenden Artikel und machte WoW zu einem „Monsterspiel mit Suchtgefahr”. Auf die eher dürftigen Zusammenhänge zwischen WoW und Amok-Läufen braucht hier ebenso wenig eingegangen werden wie auf die an anderer Stelle diskutierte Problematik dieses Artikels.

Unabhängig von Seriosität und Richtigkeit des SPIEGEL-Artikels drückt dieser aber einen Zeitgeist aus: Es ist einfach hip, gegen Computerspiele zu argumentieren, und es existiert auch schon eine Aussage, wonach Arbeitgeber bewusst WoW-Spieler nicht einstellen! (Anmerkung: Bezieht sich nicht auf IBM!)

Da dieser Reiseführer aber als Reiseführer Ratschläge vermitteln soll, gilt es, folgende zwei Fragen zu beantworten: Was sollen Unternehmen im Umgang mit WoW-Spielern richtigerweise machen? Und: Was sollen WoW-Spieler im Umgang mit Unternehmen richtigerweise machen?

Noch relativ einfach ist die erste Frage zu beantworten: „Unternehmen sollten einen Hinweis im Bewerbungsschreiben auf WoW dann positiv bewerten, wenn dieser (1) durch Rolle sowie Ergebnis konkretisiert ist und (2) Suchtgefahr auszuschließen ist.” Zumindest bei Berufseinsteigern, die ja schon etwas älter sind, ist eine Suchtgefahr nicht (mehr) wahrscheinlich.  Auch bei Starbucks wird man sich im Hinblick auf Steffen Gillett nicht gefragt haben, ob seine früheren WoW-Aktivitäten gegen die CIO-Position sprechen.

Schwieriger aber ist es beim Bewerber und hier muss der Reiseführer „Per Anhalter durch die Arbeitswelt” eine defensive Empfehlung aussprechen: „Bewerber sollten den Hinweis auf ihre WoW-Aktivitäten nur dann in den Lebenslauf aufnehmen, wenn diese (1) argumentativ klar zu der Stelle passen, auf die man sich bewirbt, und (2) sicher ist, dass alle Leser der Bewerbung positiv zu WoW eingestellt sind.” Und das dürfte (leider) selten der Fall sein.

Also sollte man es wie ein Gnom im WoW machen und seine Fähigkeiten nicht an die große Glocke hängen, sie aber dann offensiv ausspielen, wenn es nötig wird.

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P.S.: Douglas Adams kommt in seinem Reiseführer „Per Anhalter durch die Galaxum gleichen Ergebnis, wenn er schreibt: „ Bis wir nicht irgendwas in diesen Apparat reinkriegen, sind unsere Chancen gleich Null. Vielleicht ist es irgendein komischer Effekt durch stehende Wellen des Planeten und deshalb sollten wir einfach herumreisen.”

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