42 oder: Die Berechnung von Humankapital

1. Dezember 2006

Die Arbeitswelt ist geprägt von vielen kleinen, faszinierenden Abkürzungen, die man durchaus kennen sollte. Da gibt es die KPIs, den HCROI, die EVA und viele andere. Und spätestens an dieser Stelle bietet es sich an, einen Blick in den ursprünglichen und von Douglas Adams verfassten “Anhalter durch die Galaxis” zu werfen, weil dieser sich auch im heutigen Fall als äußerst lehrreich erweist.

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Vor allem sei hingewiesen auf folgende Textpassage: “Es folgte eine kurze, erwartungsvolle Stille: ‘Also schön’, sagte der Computer …..’Die Antwort …. lautet Zweiundvierzig’. … ‘Zweiundvierzig!’ kreischte Luunquoal los. ‘Ist das alles, nach siebeneinhalb Millionen Jahren Denkarbeit?’. ‘Genau!’, antwortete Deep Thought, ‘Aber wenn ihr erstmal genau wisst, wie die Frage zu dieser Antwort wirklich lautet, dann werdet ihr auch wissen, was die Antwort bedeutet’ … Die Männer sanken verzweifelt in ihre Stühle.”

Vor diesem Problem stehen wir gegenwärtig bei unseren betrieblichen Kennzahlen.

Deshalb gilt für den neu zu verfassenden Reiseführer durch die Arbeitswelt: “Der Anhalter durch die Arbeitswelt tut gut daran, die vielen kleinen, faszinierenden Abkürzungen zu kennen, da sie unmittelbar seinen gewollten oder ungewollten (Karriere-)Weg beeinflussen”.

Damit gemeint ist weniger die semantische Entschlüsselung, denn die ist noch relativ einfach: KPI = Key Performance Indicator (Also irgendeine Zahl, die irgendjemand für eine Schlüsselzahl hält – im Zweifelsfall der Erfinder der Zahl). HCROI = Return on Human Capital (“Wie viel bringen mir meine Mitarbeiter?”) und EVA = Economic Value Added (“Wie schlägt sich was in der Endabrechnung nieder?”).

Gemeint ist vielmehr die implizite Logik der Frage, was man zum Beispiel an der Berechnung des Humankapitalwertes sieht. “Humankapitalwert” bedeutet: Wie viel sind meine Mitarbeiter eigentlich wert? Auch wenn man jetzt trefflich streiten kann, ob bereits eine solche Frage zulässig ist, ändert dies nichts an der Existenz dieser Frage. Und jetzt gibt es zwei Varianten für diese Frage:

Die eine Variante lautet: “Wie viel Geld kann ich durch meine Mitarbeiter verdienen?” Das hängt von vielen Faktoren ab, angefangen von der letzten Marketingaktion oder dem Rückruf fehlerhafter Produkte. Wenn kein Geld in der Kasse klingelt und rechnerisch kein Geld mehr auf Mitarbeiter zurechenbar ist, dann sind diese Mitarbeiter nichts mehr wert (manchmal sogar grotesker Weise weniger als Null). Das klingt nicht nur brutal, das ist auch brutal. Trotzdem schwören viele Firmen auf Rechensysteme, die auf dieser “Gewinnverteilungslogik” basieren. Berater und Wirtschaftsprüfer, die dieser Logik folgen, haben gegenwärtig Hochkonjunktur.

Die andere Variante lautet: “Wie viel Geld ist das Potenzial wert, das in den Mitarbeitern steckt?” Dieser Wert hängt unter anderem von ihrem Wissen, ihrer Erfahrung, ihrer Motivation und diversen anderen Punkten ab. Er hängt aber nicht vom Verkaufspreis der Produkte ab. Der Wert dieser zweiten Variante signalisiert also, was in den Mitarbeitern steckt, unabhängig davon, ob das Unternehmen gerade dieses Potenzial nutzen möchte. Dieser Wert kann durchaus kleiner sein als der Wert, den uns die Gewinnverteilungslogik liefert, er kann aber nie negativ sein.

Der Reiseführer “Per Anhalter durch die Arbeitswelt” rät: “Vorsicht bei und vor allen, die nach der Gewinnverteilungslogik ticken!”

Übrigens: Die Antwort bei BenQ lautet (grob geschätzt) nach der Überschusslogik “Jeder Mitarbeiter ist im Durchschnitt minus 20.000 Euro wert”. Nach der Ertragspotenziallogik gilt “Jeder Mitarbeiter ist im Durchschnitt (plus!) 16.200 Euro wert”. Klar erkennbar: Die Antwort ist anders, so aber auch die Frage.

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P.S.: Da soviel über Fragen gesprochen wurde, noch eine Frage: Wie lautet die offizielle Typenbezeichnung der (historischen!) Rechenmaschine, die am Anfang dieses Beitrages mit der neuen Sony-Kamera des Berichterstatters soeben fotografiert wurde und die auch die Zahl 42 liefert? Wer in den nächsten 13 Tagen der richtigen Antwort am nächsten kommt, erhält wahlweise die Trendstudie “Darwiportunismus in der neuen Arbeitswelt” oder das Handbuch “Human Capital Management”. (Der Rechtsweg ist natürlich ausgeschlossen.)

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